„Als am 2. Juni 1969 Beatrice de la Mama ihren beleibten Körper auf die Straße eines mittelamerikanischen Dorfes schob und nicht das Mindeste passierte, da war die Struktur des Gedankens vom Triller Trio geboren.“ – hieß es in der Ankündigung zum zehnjährigen Jubiläum der Bend. Das war natürlich purer Unsinn, eine Ente.

Die einzigen, die dieser Episode glauben schenken, sind Tom Triller, Namensgeber der Bänd, sein bester Freund Tim Troller und ein gewisser Maik Dschägger, treuester Fan von Tum Traller. In Wahrheit war die Geschichte um den Ursprung des Trios um Einiges spektakulärer als die oben erzählte. Sie trug sich folgendermaßen zu:
Alles dreht sich um den berühmten Prinzenraub im Thüringer Wald des 15. Jahrhunderts. Am 2. Juni 1469 wollten mittelalterliche Schurken den namhaften Prinz Ølsen, als er auf seinem Pferd Combo durch einen Wald ritt, entführen. Ein unverzagter Köhler, mit Namen Pom Piller, der den Durchblick hatte, warnte den Prinzen und dessen Pferd durch ein originelles Geräusch, für welches zur damaligen Zeit noch keine eindeutige Bezeichnung existierte – im heutigen Sprachgebrauch als so genannter Triller bekannt – und der Prinz ritt unbehaarkrümmt weiter zu einer geschäftlichen Besprechung mit Extraterrestren. Die, begeistert vom Planeten wegen seiner im Universum einzigartigen Unerschöpflichkeit an Rauschmitteln, wollten die Erde als Rohstoffquelle für die wertvollen chemischen Substanzen nutzen. Den meisten Außerirdischen war das Exportgeschäft jedoch zu aufwendig, so dass die gesamte Population, als Jamaicans getarnt, die Erde zu besiedeln begann.
Die Meinung, dass alles gänzlich improvisiert war, kann man somit getrost als Neidgerücht abtun. Tom Triller sollte trotzdem nie davon erfahren; er ist ein labiler Mensch und die Leute meinen, er hätte sowieso nur einen halbfertigen Schimmer. Für Ralf und Martin (Carrie Glitter), den Mitbegründern dieses Trios, war es nie leicht, Tom vor den Unebenheiten des Lebens zu bewahren. Deshalb zogen sie zusammen in dieselbe Wohngemeinschaft. Sie hatten, bevor die Wohnung größer wurde und vier Zimmer bekam, eine gemeinsame Couch, ein gemeinsames Bett, einen gemeinsamen Maik Dschägger-Altar und gemeinsame Freunde. Sie gingen in dieselben Clubs und Kneipen, tranken dieselben Getränke, trugen dieselbe Langhaarfrisur, fuhren in denselben Urlaub und hatten gemeinsam keine Ahnung.

Tom tanzt etwas futuristisch, gänzlich anders als die beiden anderen. Er interpretiert ein bisschen zuviel, aber ansonsten hat er einen vertretbaren Charakter. Ralf hat Probleme mit der Ordnung; in seinem Kopf scheint ein Frikassee aus Partyism und Weltverbessertum unlösbar verknotet zu sein. Das wirkt sich gelegentlich auf seine Stimme aus, so dass sich der Gesang, er ist nämlich ein Sänger, zum Beispiel nicht so anhört wie Toms Zimmer aussieht. Martin, alias Carry, ist eindeutig der jüngste von den Dreien, er ist erst drei. Das stimmt nicht ganz, aber Spasmus sein. Der Autor erlaubt sich an dieser Stelle ein, ohne Frage, subjektiv-verzerrtes Psychogramm des Künstlers Martin Glitter zu erstellen: Er ist Liedgitarrero der Baend. Er hat eine einflussreiche Nase, er ist ein Windsurfer, sein Vater heißt Reinhold. Eines Tages beschlossen Ralph, Carri und Tam eine Band zu sein. Tem war schon damals eine Legende - der gefürchtetste Lagerfeuergitarrist in Nord- und Mitteleuropa. Er war die höchste Höhe: Wenn Tim kam, flohen die Camper. Wenn er seine Lagerfeuergitarre auspackte, zogen finstere Wolken auf und es begann zu stürmen. Versuchte er dann noch sein Instrument zu stimmen, fielen die Leute übereinander her. Auf jedem Zeltplatz, in jedem Yachthafen gab es eine Notrufsäule für den Fall, dass er zu spielen begann.

Glitter Carry ist der große Trumpf des Trios; er ist ein begnadet-gnadenloser Gitarrero; er spielt sehr schnell; er zieht manchmal die Saiten hoch und runter. Er versteht es, mit verschiedensten Tönen, Sounds und Effekten zu überraschen; er hat sein Plektrum schon über sechs Jahre. Dass er schon vor seinem Einstieg beim Triller Trio in berüchtigten Rostocker Bands die Gitarren getragen hat, soll hier nicht verheimlicht werden; außerdem ist er Surfer.
Ralf kann pfeifen, klatschen, sprechen, schnipsen, Reime scheißen und fahrlässig Geräusche improvisieren, und er hat bewegliche Nasenflügel; ein Instrument beherrscht er nicht. Aus diesem Grunde wurde er der Sänger der Bänd - der so genannter Frontmann.
Im Winter 1994 versammelten sich die Drei - einschließlich einem viel versprechenden Pank-Drammer, einem Bassisten (Dr.Voß, nach dessen Pünktlichkeitsgefühl gegenwärtig das Jahr 1867 wäre) und einem richtigen Musiker (Piano) - in einer Wohnung der zweiten Etage eines Abrisshauses in der Rostocker Altstadt. In dem Gebäude lebten vor allem Pilze. In der untersten Etage wohnte der damalige Bäkraund der Bend – drei junge, omnipotente Sänger und Tänzer, die früh und spät, tagaus, tagein und Sommer wie Winter verblüffend großen Durst hatten. Unter dem Dach vermutete man eine ehemalige RAF-Zentrale.
Die ruhmsüchtigen Heißsporne hängten Teppiche vor die Fenster, stellten einen Ofen in den Proberaum und improvisierten einige Stromkreisläufe. Sie studierten in drei Monaten vier Titel ein, dann wurde das Haus abgerissen...

Die Legende besagt, dass Freunde der Musiker eine Wette abgeschlossen haben sollen, in der es darum ging, ob die Band nach Ablauf von drei Jahren auftreten würde oder nicht. Und es begab sich, dass Töm Trüller zweieinhalb Jahre später bei einer Party das Triller Trio – „die populärste nicht spielende Band Rostocks“ – vor dem damaligen Chef des Rostocker Studentenkellers e.V. (Dr. Pett) anpries. Er stimmte ein Loblied an und begann sogar ein bisschen über dem Fußboden zu schweben. Überzeugen konnte er Dr. Pett jedoch erst, als er ihm seine Lagerfeuergitarre zeigte. Das erste Konzert des Triller Trios sollte sieben Monate später, genauer, am 2. Juni 1997 im „Keller“ stattfinden.
Am Notwendigsten war es einige Leute, die etwas von Musik verstanden, in der Ølsen Combo unterzubringen. Mindestens genauso erforderlich war ein neuer Probenraum. Gottlob gab es noch die alten Kontakte zu Dr. Stephen Miller, welcher der Band kulant und gutgläubig Räumlichkeiten zur Verfügung stellte. Im März des Jahres 97 begann die Bänd ein zweistündiges Programm einzustudieren, einschließlich musikalischer Verspieler, stumpfsinniger Ansagen, gewagter Pausen zwischen den Songs, lasziver Choreographie: und – hier meldet sich der Autor nicht der Erzähler – sie waren wirklich jenseits aller Kritik.
Doch von Bescheidenheit keine Spur: Poster wurden verkleistert, Zeitungen waren gezwungen Artikel erscheinen zu lassen, der renommierte Dr. Petie Lueck, seines Zeichens Mode- / Kunstfotograph, ließ sich zu einer Fotosession hinreißen. Musiker wurden verbraucht und missbraucht, Songs wurden gecovert und über alle Maßen strapaziert, zuguterletzt wurde ein französischer Kameramann (Dr. Roland Cordoba) verpflichtet Bongos zu spielen.
Bereits kurz nachdem das Konzert stattgefunden hatte, wurde das Ereignis legendär und existiert, dem Anschein nach, nur noch in den Träumen neurotischer Musikwissenschaftler. Gerüchte besagen, dass mehr als dreihundert Menschen die Musiker im „Keller“ gesehen haben sollen: alle waren sehr elegant gekleidet und hatten sich Instrumente umgehängt. Von ihrer Musik ging auf Grund der ästhetischen Maßstabslosigkeit und der musischen Unbestimmtheit eine Betäubung aus, die es den Zuschauern nicht ermöglichte wegzuhören, den Zuhörern nicht gestatte wegzuschauen. Neunzig Minuten Atonalität, Textschwäche, Rückkopplungen, Missbrauch von Instrumenten, Rockstarallüren, Freibier und Manie. Es sollen sich noch einige eigenartige Episoden ereignet haben, in die ein verzauberter Kanadier, unterschiedlichste erogene Zonen, mindestens ein Pferd und ein Schweißer namens Axel verwickelt waren. Am Ende des Abends waren zwei Baendmitglieder unter Frauenunterwäsche erstickt. Nach dem Konzert wurden 42 % der Zuhörer realitätsfremd.

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